Feedback annehmen: So reagieren Sie kompetent auf Feedback!

Zu Feedbackgesprächen gehört nicht nur das Geben von Feedback, sondern auch das Annehmen von Feedback. Wie reagiert man eigentlich richtig auf Feedback? Gibt es auch Feedbackregeln für FeedbacknehmerInnen? Feedback annehmen und reflektieren ist nicht immer einfach. Anschließend finden Sie Tipps für ein kompetentes und professionelles Reagieren auf Feedback im Arbeitsontext.

Tipps für das Geben von Feedback finden Sie hier.

Zuhören, zuhören, zuhören

Wenn Sie von jemandem Feedback erhalten, ist die wichtigste Regel das Zuhören. Überlegen Sie nicht schon, wie Sie auf das erhaltene Feedback reagieren werden. Bei kritischem Feedback wird Ihr Gehirn vermutlich sofort versuchen, Gegenargumente zu sammeln. Dadurch hören Sie jedoch nicht mehr zu. Sie müssen sich bewusst darauf konzentrieren, was Ihr Gegenüber sagt.

Meine Empfehlung: Vereinbaren Sie vor dem Feedbackgespräch, dass Sie nicht sofort auf das erhaltene Feedback reagieren werden. Nehmen Sie erstmal lediglich zur Kenntnis, was von Ihrem Gegenüber kommt und überlegen Sie dann später in Ruhe, was Sie mit diesem Feedback machen wollen. Sie können nochmals zu einem anderen Zeitpunkt darüber sprechen, falls Sie das als wichtig erachten. Wenn Sie als Führungskraft Feedback von Ihren MitarbeiterInnen erhalten ist es ratsam, diesen mitzuteilen, was Sie aus dem Feedback umsetzen werden und was nicht (ohne sich dafür zu rechtfertigen!). Dadurch sehen die MitarbeiterInnen, dass ihr Feedback tatsächlich etwas bewirkt.

Tipp für das Zuhören: Fassen Sie in regelmäßigen Abständen zusammen, was der/die FeedbackgeberIn gesagt hat. So vermeiden Sie einerseits Missverständnisse, andererseits gewinnen Sie einen gewissen Abstand und können sich besser auf das konzentrieren, was der/die andere sagt.

 

Nachfragen

Fragen Sie nach, wenn Ihnen etwas unklar ist. Bitten Sie um konkrete Beispiele. Ihnen sollte klar sein, was der/die FeedbackgeberIn mit dem Feedback aussagen wollte. Sie müssen natürlich nicht einer Meinung mit Ihrem Gegenüber sein. Es geht nicht darum, zu diskutieren, ob der/die FeedbackgeberIn Recht hat. Sie sollten lediglich nicht nach Hause gehen und sich fragen, was er oder sie eigentlich gemeint hat.

 

Nicht rechtfertigen

Feedback annehmen

In vielen Fällen wird Feedback bei Ihnen den Wunsch auslösen, sich zu verteidigen oder zu rechtfertigen. Das ist normal, aber nicht nötig! Im Gegenteil: Es muss möglich sein, dass Feedback gegeben wird, ohne dass dies endlose Diskussionen auslöst.

Wenn es für Sie wichtig ist und der/die FeedbackgeberIn auch einverstanden ist, können Sie Ihre Wahrnehmung der besprochenen Situationen schildern. Es geht hierbei um einen Austausch und nicht darum, den/die andere(n) von etwas zu überzeugen. Lassen Sie gegensätzliche Meinungen und Wahrnehmungen erst mal einfach so stehen. Gehen Sie nach Hause und denken Sie in Ruhe darüber nach. Wenn Sie noch nicht oft Feedback erhalten haben, wird Ihnen dies vermutlich äußerst schwer fallen. In diesem Fall empfehle ich Ihnen, vor dem Feedback zu vereinbaren, dass Sie sich lediglich für das Feedback bedanken, nicht aber inhaltlich darauf reagieren werden. So ersparen Sie sich diese Gratwanderung.

 

Sie entscheiden, was Sie mit dem Feedback machen

Sie können nicht immer steuern, wann Sie von wem Feedback bekommen. So werden Sie vielleicht in Ihrem Unternehmen zur Teilnahme an Feedbackgesprächen verpflichtet. Oder Ihre Kollegin gibt Ihnen Feedback zu Ihrer Präsentation, ohne dass Sie sie darum gebeten hatten (was nichts Negatives ist!). Es ist jedoch Ihre Entscheidung, was Sie mit erhaltenem Feedback machen. Reflexionen oder Verhaltensänderungen können nicht erzwungen werden.1

Sie können nie allen Personen gerecht werden. Das müssen sowohl Sie als FeedbacknehmerIn als auch der/die FeedbackgeberIn akzeptieren. Feedback ist die subjektive Wahrnehmung des/der FeedbackgeberIn. Es gibt Ihnen die Möglichkeit, sich durch die Augen anderer Personen zu sehen. Auf dieser Welt gibt es viele verschiedene Augen und Sie werden nie alle glücklich machen können. Fühlen Sie sich also nicht schlecht, wenn Sie mal mit einem Feedback überhaupt nicht übereinstimmen. Manchmal hat Feedback auch mehr mit dem/der FeedbackgeberIn zu tun als mit dem/der FeedbacknehmerIn.

Wenn Sie jedoch von Anfang an wissen, dass Sie nicht bereit sein werden, sich mit dem Feedback des/der anderen auseinanderzusetzen, wäre es besser das Feedbackgespräch gar nicht erst zu führen. Das führt nur auf beiden Seiten zu Frustration und zu einer Verschlechterung der Beziehung. Daher ist zum Beispiel verordnetes Feedback in Unternehmen nicht sinnvoll.

 

Akzeptieren Sie auch positives Feedback

Wenn Ihnen jemand kompetent Feedback gibt, dann beinhaltet dies auch bzw. sogar überwiegend positive Rückmeldungen. Nehmen Sie diese genauso intensiv auf wie das positive Feedback, denn es ist genauso wichtig! Zu erfahren, was Sie gut können ist wesentlich, um Ihre Stärken zu entdecken und weiterzuentwickeln. Dies führt eher zum Erfolg als zu versuchen, die Schwächen auszugleichen. Fordern Sie den/die FeedbackgeberIn also nicht dazu auf, Ihnen nur zu sagen, was Sie besser machen können! Konzentrieren Sie sich auch nach dem Feedback nicht nur auf das kritische Feedback, das Sie erhalten haben, sondern reflektieren und genießen Sie auch das positive!

 

Bedanken Sie sich

Feedback gibt Ihnen Informationen, die Sie nur durch andere Personen bekommen können, nämlich wie Ihr Verhalten auf andere wirkt. Es ermöglicht Ihnen, sich weiterzuentwickeln und sowohl im privaten als auch beruflichen Leben erfolgreich zu sein.

Besonders für Führungskräfte in höheren Hierarchieebenen ist es schwierig, Feedback zu erhalten.2

Bedanken Sie sich also dafür, dass Ihr Gegenüber Sie an seiner Sichtweise teilhaben lässt. Das erhöht auch die Bereitschaft des/der FeedbackgeberIn, weiterhin Zeit und Energie in wertvolles Feedback zu investieren.

 

Reflektieren Sie erhaltenes Feedback

Damit Sie erhaltenes Feedback möglichst gut für sich nutzen können, ist eine gute Nachbereitung wichtig. Überlegen Sie in Ruhe, was Sie gehört haben, was das für Sie bedeutet und wie Sie weiter vorgehen wollen.

Wenn Sie nicht genau wissen, was Sie mit dem Feedback anfangen sollen, es Sie aber beschäftigt, holen Sie sich zusätzlich Unterstützung aus dem privaten oder beruflichen Umfeld.

Individuelle Feedbacks sollten nicht anonym durchgeführt werden, da Sie sehr persönlich sind und durch die Anonymität keine Möglichkeit zur Rückfrage besteht. Sollten Sie jedoch in Ihrem Unternehmen mit anonymen Feedbacks zwangsbeglückt werden, fordern Sie zumindest eine professionelle Begleitung ein. Ein Coach kann Sie systematisch durch die Nachbereitung und Reflexion führen. So stehen Sie nicht alleine mit Ihrem Feedback da und können es so gut wie möglich für sich und Ihre Weiterentwicklung nutzen.

 

Welche Erfahrungen haben Sie mit Feedback gemacht? Wie leicht oder schwer fällt es Ihnen, positives und negatives Feedback anzunehmen? Was hilft Ihnen dabei?

Quellen:

(1) Kanitz (2014): Feedbackgespräche. Freiburg.

(2) Blum & Zaugg (2007): 360-Grad-Feedback: Komplexe Arbeitsbeziehungen erfordern differenzierte Feedbacksysteme, in Thom & Zaugg (Hrsg), Moderne Personalentwicklung, 2. Aufl, Wiesbaden.

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